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«Corona und die Energiewende stellen unsere Stromversorgung vor eine Herausforderung, die wir als Gesellschaft meistern müssen.»

Es ist Winter. Von einer Sekunde auf die andere wird es dunkel. Züge bleiben stehen, Radio- und Fernsehapparate verstummen, ebenso das Telefon- und Handynetz. Fabriken und Haushalte kommen zum Stillstand. Ampeln fallen aus. Kurze Zeit später funktioniert auch die Trinkwasserversorgung nicht mehr. Rasch wäre immer mehr kritische Infrastruktur betroffen und die Versorgungssicherheit gefährdet. Ein Horrorszenario.

Ein solcher Stromausfall hätte katastrophale Folgen – doch undenkbar ist er nicht. Bereits 2025 könnte es in der Schweiz zu Versorgungsengpässen und Stabilitätsproblemen kommen. Vor allem im Winter, wenn die Produktion aus Photovoltaik und Wasserkraft tiefer ausfällt. So steht es im Sicherheitsbericht des Bundesrates, welcher gegen Jahresende veröffentlicht wurde.

Welch enormen Schaden eine solche Winterstromlücke anrichten kann, hat beispielsweise der Stromausfall im Winter 2005 in Deutschland verdeutlicht, als rund 250’000 Menschen teilweise tagelang ohne Strom waren. Im Jahr darauf kam es zu einem noch grösseren Stromausfall, der mehrere europäische Länder betraf. Teile von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich und Spanien waren teils mehrere Stunden ohne Strom; sogar in Marokko waren Auswirkungen spürbar.

Ein Einzelfall? Leider nicht. Erst kürzlich schrammte Europa erneut an einem Blackout – also einem länger andauernden Stromausfall – vorbei. Glaubt man Expertinnen und Experten, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Ereignis tatsächlich einmal nicht mehr zu verhindern ist. Verständlich, dass sich viele Menschen vor einem Blackout fürchten.

Der Schriftsteller Marc Elsberg hat diese Angst zum Bestseller gemacht. Sein Roman «Blackout – Morgen ist es zu spät» ist aktueller als je. Vier Jahre lang hat Elsberg jedes Detail recherchiert, um die Katastrophe so realistisch wie möglich zu beschreiben, und lenkte dabei die Aufmerksamkeit auf ein Problem, das vielen vorher gar nicht bewusst war: Unser Stromnetz wird immer fragiler. Und durch die digitale Vernetzung auch immer angreifbarer.

«Corona und die Energiewende stellen unsere Stromversorgung vor eine Herausforderung, die wir als Gesellschaft meistern müssen.»

Die Bündnr und Schweizer Infrastruktur funktioniert so gut, dass wir sie im Alltag schon gar nicht mehr wahrnehmen. Doch: Blackouts können sich immer ereignen. Vor wenigen Jahren war es ein geknickter Baum auf einer Hochspannungsleitung im Kanton Schwyz, der die elektrische Verbindung über die Alpen unterbrach. Da auf diesen Leistungsausfall nicht oder nicht genügend schnell reagiert wurde, waren kaskadenartige Ausfälle der Leitungen nach Italien die Folge. Das Resultat: Ganz Italien sass von einer auf die andere Sekunde im Dunkeln. Über 56 Millionen Menschen waren betroffen.  Züge blieben auf offener Strecke stehen und alle Flüge von und nach Italien wurden gestrichen. Italien war am Boden.

Das Beispiel zeigt: Graubünden und die Schweiz sind keine Strominseln. Die Schweiz ist so stark, wie kein anderes Land in das europäische Ver­bundnetz integriert. Dank der engen europäischen Zusammenarbeit können Kraftwerksausfälle – aber auch Überproduktionen – kompensiert werden. Umgekehrt heisst das aber auch, dass Störungen in einem europäischen Land zu einem Dominoeffekt führen können, der mehrere Regionen und Länder betrifft. In Österreich fand deswegen diese Woche ein Blackout-Krisengipfel statt. Auch in Frankreich wächst aktuell die Sorge um die Stromversorgung. Mit Blick auf drohende Engpässe wurden in unserem westlichen Nachbarland vor ein paar Tagen die beiden letzten Kohlekraftwerke wieder hochgefahren. Weil es an Weitsicht fehlt, leidet das Klima. Dass darf nicht sein.

Was meinen Sie? Sitzen wir bald im Dunkeln, wenn zu viele Elektroautos auf einmal am Netz hängen? Wie realistisch ist so ein Blackout wirklich? Und wie sicher ist das Stromnetz vor Hackern? Die Antwort: Das Risiko eines Totalausfalls unseres Stromnetzes ist aktuell gering. Aber wir dürfen die Augen nicht davor verschliessen, dass unsere Infrastruktur verletzlich ist. Bund und Kantone dürfen das Risiko eines länger anhaltenden Stromausfalls nicht unterschätzen. Wenn wir die Energiewende wirklich schaffen und die Klimakrise meistern wollen, brauchen wir Investitionssicherheit, höhere Anreize für mehr Unternehmertum, weniger Regulation und beschleunigte Entscheidungswege. Und vor allem braucht es mehr Zusammenarbeit und Weitsicht – in der Schweiz und in Europa.

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THOMAS BIGLIEL ist FDP-Grossrat. Er hat im Bündner Parlament einen Vorstoss eingereicht, welcher das Stromnetz sicherer machen soll.

2018 FDP.Die Liberalen Kreis Fünf Dörfer